Eigen Import

Angefangen hat ja alles mit einem Speedsterumbau eines VW Käfer. Einige Jahre später folgte ein Super Seven der Marke VM. Aber letztendlich gab es seit dem Besitz des Führerscheines nur ein Fahrzeug, das mir bis zum heutigen Tage nicht mehr aus dem Kopf geht: eine COBRA.

Nachdem ich im Jahr 1995 meinen Super Seven schweren Herzens verkauft habe, war der Weg frei für meinen Traumwagen. Wie gesagt der Seven war verkauft, einige finanzielle Altlasten waren getilgt und von dem Rest sollte nun ein Cobra gekauft werden. Stoneleigh 1996 war in Planung und ich schätzte meine Chancen, mit einem Budget von DM 25.000,- und einem damaligen Wechselkurs von ca. 2,50 DM für ein Pfund eine Cobra zu ergattern, nicht so schlecht ein, da ich schon über Jahre englische Kit Car Zeitschriften lese und somit ein recht gutes Preisgefühl besitze (denke ich). Dort angekommen stellte sich die Realität jedoch etwas anders dar als erwartet.

Der Clubstand des britischen Cobra Replica Clubs war belagert von jeder Menge deutscher Cobra-Händler, die wie wild mit ihrem Handy fuchtelten und alles aufkauften, was das Schild ,,For Sale" an der Windschutzscheibe getragen hat. Frustrierend kam noch hinzu, daß ich nach mehrmaligem Probesitzen in potentiellen Kandidaten nichts fand, in dem ich mit einer Körpergröße von 1,89 m bequem hätte Platz nehmen können. Außerdem lautete der Auftrag meiner Freundin, ein Fahrzeug zu bringen, das mehr Fußraum und Komfort hat wie unser Seven. Da man die Meinung einer Frau nie außer Acht lassen darf, war also auch Probesitzen im Beifahrerbereich angesagt. Die einen waren zu eng, die meisten waren jedoch zu teuer.

Kurz vor meinem Rückflug entdeckte ich die Pilgrim eines British Airways Piloten. Er machte einen ehrlichen Eindruck und das Auto mit dem Sechszylinder-Motor auch. Die Verarbeitung war ordentlich und die Probefahrt mit dem 2,8 Liter-Aggregat verlief auch ganz zufriedenstellend. Etwas unter Zeit- und Erfolgsdruck (die Händler standen schon in den Startlöchern) kaufte ich das Teil für 9.000,- engl. Pfund. Euroscheck mit Anzahlung als Sicherheit und ab in den Flieger. In Stuttgart gelandet begriff ich eigentlich erst, was ich getan hatte.

Sofort einen Hinflug samt Fähre für das nächste Wochenende organisiert und zack war ich wieder eine Woche später in England. In London gelandet fuhr ich ewig mit der Untergrundbahn durch ganz London bis ich dann endlich ankam. Kurzer Smalltalk mit der gesamten Familie samt Oma und zwei riesigen Doggen und dann gings ab in die Nacht. Punkt 22 Uhr startete ich Richtung Dover. Um Mitternacht in Dover angekommen mußte ich noch zwei Stunden auf die Fähre nach Calais warten und lernte dabei einen netten, belgischen Kit Car Sammler (über 20 Fahrzeuge!) kennen. Von Calais aus dann Richtung Belgien, im Ortszentrum von Brüssel total verfahren (aber es wird endlich langsam hell), Richtung Grenze nach Germany und dann doch Probleme!

Nach fast 16 Stunden offen fahren ohne große Pause durch halb Europa plötzlich dicker Qualm auf der Höhe des Hockenheimrings. Ölverlust im Bereich einer zusätzlichen Ölleitung (Sch...englische Spezialkonstruktion). Jetzt zeige ich doch zum ersten Mal Nerven und möchte am liebsten alles hinwerfen. Der ADAC schleppt mich in eine Werkstatt bei Kronau und wir reparieren notdürftig. Meine Freundin eskortiert mich technisch und moralisch, bis das Schätzchen in der Garage in Pforzheim steht. Nur noch etwas essen und dann schlafen.

Nun stand Sie also in der Garage und verlangte nach einer deutschen Straßenzulassung. Als erstes habe ich einige Pilgrim Besitzer in der IG kontaktiert, um so an Informationen zu kommen. Doch auf diesem Weg erfuhr ich leider nicht viel neues, da die meisten Fahrzeuge besaßen, die ohne entsprechendes Mustergutachten im ,,Spezialverfahren" durch den TÜV abgenommen wurden. Nachdem die üblichen technischen Umbauten wie Leuchten, Auspuffanlage und andere Details auf TÜV- Norm gebracht wurden, gings zum ersten Versuch nach Böblingen zur Typprüfstelle. Die Herren in Blau waren natürlich total begeistert und meinten das ich ohne ein Gutachten zum Fahrzeug und ohne die entsprechenden Motordaten nicht mehr wiederkommen bräuchte. Tat ich aber doch, allerdings nur mit dem Erfolg, das die restlichen ,,normalen" Mängel von der ersten Aktion, wie z.B. Fahrgestellnummer in den Rahmen schlagen und die Sonnenblende verdunkeln, kostenlos von der Mängelliste gestrichen wurden. Somit war mein TÜV- Bericht ohne Mängel aber eben auch ohne endgültige Abnahme. Da es mir nicht gelang eine Kopie eines Mustergutachtens aufzutreiben nahm ich die Hilfe der Firma Drengenberg in Anspruch.

Martin Drengenberg war von Anfang an sehr hilfsbereit und erklärte sich einverstanden, das Fahrzeug anhand seines Mustergutachtens beim TÜV vorzufahren. Ich hatte ehrlich gesagt meine Bedenken, da er ja der Importeur für diese Fahrzeuge in Deutschland war/ist und ich ihn ja quasi übergangen hatte. Aber diese Sorge war unbegründet. Wir vereinbarten das Budget und den Treffpunkt in Dortmund und so stand ich Samstags morgens um 8 Uhr pünktlich auf der Matte. Ich übergab Herrn Drengenberg das Fahrzeug samt meinen gesammelten Unterlagen und fuhr mit der Bahn Richtung Pforzheim.

Die Woche verging mit etwas innerer That's it - Anspannung sehr schnell und ein Anruf am Freitag löste alle meine Probleme. TÜV, ohne Tricks und doppelten Boden, anhand des Gutachtens ohne Mängel. Was will man mehr. Samstags in den Zug Richtung Dortmund um den deutschen Fahrzeugbrief in Empfang zu nehmen. Smalltalk mit Martin (Drengenberg) und ein Foto zur Erinnerung an den Sieg. Völlig entspannt genieße ich die Heimfahrt.

Tja, hört sich alles recht einfach und locker an. Ich muß gestehen, das war es auch. Dank der Mithilfe einiger Freunde und der Firma Drengenberg war es wirklich nicht schwer das Fahrzeug für Deutschland zugelassen zu bekommen. Sicherlich hat man es bei lmportfahrzeugen die einen deutschen Vertrieb besitzen einfacher, TUV zu bekommen, da diverse Händler über entsprechende Gutachten verfügen. Ebenso sollte man die Ersatzteilversorgung nicht außer Acht lassen. Schwieriger wird es da schon bei Exoten, aber auch hier soll es angeblich Mittel und Wege geben. Eins steht meiner Meinung nach jedoch fest. In Zukunft wird man es immer schwerer haben, ein Fahrzeug ohne Mustergutachten durch den TÜV zu bekommen. Insbesondere das Problem mit den Motordaten, Baujahr und der Nachweis hierüber wird zum entscheidenden Faktor, zumal ein Fahrzeug ohne Katalysator zur Zeit sehr schwer und in Zukunft noch schwerer zu verkaufen sein wird. Auch der TÜV im allgemeinen wird immer sensibler, da auch der TÜV weis, das der eine oder andere Mitarbeiter gerne mal zwei Augen zudrückt.

Dietmar Mettke


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