Die Geschichte von AC - von den Anfängen bis zur COBRA
Nachdem in Ausgabe 2 der Cobra News darüber berichtet wurde, daß der traditionelle, britische Automobilhersteller AC nach erheblichen, finanziellen Schwierigkeiten noch einmal knapp dem Konkurs entgangen ist, ist es sicherlich von allgemeinem Interesse, die Firmengeschichte von AC näher zu beleuchten.
Sie beginnt im Jahre 1901, als der Ingenieur John Weiler, unterstützt von einem wohlhabenden Geschäftsmann namens John Portwine, in Süd-London einen kleinen Handwerksbetrieb gründete, in dem von nun an motorisierte Fahrzeuge gebaut werden sollten.
Die ersten beiden Fahrzeuge waren ein 2- Zylinder-Modell mit 10 PS und ein 4- Zylinder-Modell mit 20 PS. Sie wurden im Jahre 1903 auf der ,,British Motor Show" in London ausgestellt, wo den Weller-Autos eine brillante Zukunft vorausgesagt wurde.
Ein Jahr später - die Firma nannte sich jetzt Autocar & Accessories Limited - wurde ein kommerzielles Fahrzeug produziert, das unter dem Namen Autocarrier bekannt wurde. Es war ein luftgekühltes, von einem Einzylinder-Motor angetriebenes Dreirad mit 5,6 PS, das als Lieferwagen konzipiert war.
Der Autocarrier fand sofort guten Absatz und wurde zum vertrauten Anblick auf Londons Straßen. Für größere Firmen, wie z.B. Goodyear Tyre Co., wurde es sogar zur Mode, sich mindestens einen dieser Lieferwagen zu leisten. Eine dieser Firmen gab sogar eine Flotte von 70 Fahrzeugen in Auftrag.
Im Jahre 1907 wurde der Autocarrier auch als Personenwagen auf den Markt gebracht, wo er unter dem Namen Sociable bekannt wurde. Sein einfaches und praktisches Design sicherte die Produktion bis zum Jahr 1915.
Im November des Jahres 1907 wurde eine neue Firma namens Autocarriers Limited gegründet, die die ,,Autocar & Accessories" übernahm, Weller und Portwine aber nach wie vor als Direktoren beibehielt. In diesem Jahr wurde die Abkürzung AC zum erstenmal benutzt.
Im Jahre 1911 zog die Firma nach Thames Ditton in Surrey um, wo Weller damit begann, sein erstes, vierrädriges Fahrzeug zu entwickeln.
Während des ersten Weltkriegs wurde die Fahrzeugproduktion eingestellt und AC konzentrierte seine Bemühungen darauf, Bomben und Zünder herzustellen. Die Firma war schon Jahre zuvor mit dem Militär in Kontakt gekommen, als sie das ,,25th London Cyclist Regiment" mit dem Autocarrier - bestückt mit Maschinengewehren und umfunktioniert als Munitionstransporter - belieferte.
Nach dem Krieg wurde in Londons berühmter Regent Street ein Büro mit Ausstellungsräumen eröffnet und der Rennfahrer S.F. Edge trat als weiterer Direktor in die Firma ein. Nachdem Weller und Portwine 1921 von ihrem Amt zurückgetreten waren, wurde Edge Geschäftsführer und die AC Cars Limited wurde gebildet. Die von der neugestalteten Firma produzierten Autos sollten ein neues Image bekommen. Sie sollten einen sportlichen Charakter autweisen, über eine ansehnliche Leistung verfügen und mit einer eleganten Karosserie in den verschiedensten Farben ausgestattet sein. AC's Slogan von damals lautete: ,,The First Light Six - and still the best."
Von all den erreichten Rekorden war AC besonders auf einen im Jahre 1922 errungenen Rekord stolz. Ein spezielles Fahrzeug, das von AC's 4-Zylinder-Aggregat mit 4 Ventilen pro Zylinder angetrieben wurde, schaffte die 100 Meilen in einer Stunde. Das Fahrzeug wurde von J.A. Joyce in Brooklands gefahren und schlug alle Geschwindigkeitsrekorde. Die schnellste Runde lag bei 104,85 mph.
In den folgenden Jahren avancierte ,,AC Cars Limited" zu Großbritanniens größtem Automobilhersteller. Die Modellpalette umfaßte sieben Fahrzeuge, die vom Aceca, einem zweisitzigen Coupé, bis zu einer komfortablen Limousine mit langem Radstand reichte. Die Leistung des damaligen 6- Zylinder-Motors betrug 56 PS.
Die Weltwirtschaftskrise im Jahre 1929 führte für AC, wie für viele andere Firmen in der damaligen Zeit, zu erheblichen Liquiditätsproblemen. Im darauffolgenden Jahr wurde die Firma von den Brüdern Hurlock aufgekauft. Es wurden keine neuen Autos mehr hergestellt, nur der Kundenservice wurde noch aufrecht erhalten. Doch der Druck zufriedener AC-Kunden überzeugte die neuen Direktoren davon, daß es für die limitierte Produktion handgefertigter Autos eine Zukunft gäbe.
Die beachtlichen Resultate, die, dank des zuverlässigen AC 6-Zylinder-Motors, bei Rennveranstaltungen wie der RAC und der Rallye Monte Carlo erzielt wurden, sorgten dafür, daß ,,AC Cars Limited" bald eine wohlhabende und erfolgreiche Firma war.
Im Jahre 1933 nahmen vier Wagen von AC an der RAC Rallye teil und gewannen alle einen Preis. Ein viersitziger Sportwagen, gefahren von Miss Kitty Brunel, gewann den ersten Platz, während Charles Hurlock den vierten und sein Bruder William den sechsten Platz belegten. Mrs. G. Daniel beendete die Rallye als siebte und gewann den ersten Preis im Concours d'Elegance.
Ein weiterer Schritt in der Firmengeschichte war die Gründung einer Niederlassung in Nordamerika im Jahre 1937.
Als 1939 der zweite Weltkrieg ausbrach, wurden die Produktionsanlagen so umfunktioniert, daß damit Brandschutz-Ausrüstungen, Flugzeugteile, Radargeräte, Flammenwerfer, Gewehre und Visiere hergestellt werden konnten.
Nachdem der Krieg zu Ende war, konzentrierte man sich wieder auf die eigentlichen Aufgaben der Firma - nämlich der Herstellung von Autos.
In den darauffolgenden Jahren lief die Produktion langsam wieder an; dazu war viel Innovation und Ingenieurarbeit notwendig. 1950 konnten bereits wieder fünf Wagen des 2-Liter-Modells, das es in verschiedenen Karosserieformen gab, pro Woche hergestellt werden.
Im Jahre 1953 begann die Produktion des AC Ace, ein offener, zweisitziger Sportwagen, der sehr schnell zahlreiche Anhänger unter den sportlichen Autofahrern gewann. Da er bei britischen Clubrennen sehr erfolgreich war, war er genau der Typ eines schnellen und ausdauernden Sportwagens, den sein Besitzer sowohl für Rennen und Rallyes als auch für den alltäglichen Gebrauch einsetzen konnte. Aus dem AC Ace entwickelte sich später die AC Cobra.
Weitere Sportwagen, die bei AC produziert wurden, waren das Aceca Coupé, das 1954 auf der ,,London Motor Show" vorgestellt wurde und ab dem folgenden Jahr in Produktion ging, und der Ace Brisiol. Dieser nahm erfolgreich am 24-Stunden-Rennen in Le Mans teil. Im Jahre 1957 beendete er das Rennen als zehnter der Gesamtwertung und im Jahr darauf erreichte eine Spezialversion des Ace Bristol den achten und die Standardausführung den neunten Platz.
Doch trotz der sportlichen Erfolge und der zunehmenden Beliebtheit dieser hoch- motorisierten Sportwagen, wurden nach wie vor die allseits bekannten, blauen Lieferwagen zu hunderten in, Thames Ditton produziert.
Im Jahre 1961 war es dann endlich soweit - ein texanischer Ex-Rennfahrer namens Carroll Shelby erschien auf der Bildfläche. Er führte Verhandlungen mit ,,AC Cars" und der ,,Ford Motor Company", in denen er vorschlug, einen großvolumigen Ford V8-Motor in den gerade produzierten, leichtgewichtigen AC Ace zu installieren. Das Resultat dieser Verhandlungen war die AC Cobra, einer der schnellsten und berüchtigsten Sportwagen, die jemals gebaut wurden.
Susanne Angele (Quelle: Luuk de Boer www.luuk.com)