Magnum, Stoneleigh und jede Menge Schafe
Da ich ja in der zweiten Ausgabe der Cobra News so heftig Werbung für den Trip nach England zur Kit Car Show in Stoneleigh gemacht habe, kann ich es mir nun natürlich nicht nehmen lassen, über diese Reise zu berichten.
Los geht es am 1. Mai Richtung Saarbrücken/Luxemburg, an Brüssel vorbei Richtung Ostende. Pünktlich um 17.30 starten wir mit der neuen Schnellfähre Richtung Ramsgate. 100 Minuten Fahrt bzw. ruhige See und wir sind im Königreich. Nahe London beziehen wir ein Motel und erleben bei Bier und Pizza den Wahlsieg von Tony Blair.
Erster Tag: Heute ist mein Tag, denn wir besuchen MAGNUM ENGINEERING. Ich brenne schon lange darauf, Mike Broad kennenzulernen und mehr über diese Firma und ihre Produkte zu erfahren. Mit einer sehr guten Karte und meinem erfahrenen Kumpel machen wir uns auf die Suche nach dem Ort Compten Verney. Nach mehrmaligem Fragen und unzähligen kleinen Straßen stehen wir - inmitten von hunderten Schafen. Eine einzige Privatstraße voller Schafsch... führt uns zum Ziel. Vor der Halle Cobra, in der Halle Cobra, also müssen wir richtig sein. Prompt begrüßt uns Mike Broad, und wir kommen sofort ins Gespräch. Ich erzähle ihm, daß wir die Abordnung des deutschen Cobra Clubs sind und extra wegen ihm gekommen sind, was ihn sichtlich freut.
Er brennt auf News aus der deutschen Händlerszene, da er mit eben jener nur schlechte Erfahrungen gemacht hat. Meine erste Frage, nämlich die nach einem deutschen Händler, ist somit beantwortet. Gibt's nicht und wird es auch so schnell nicht geben. Die Auftragslage sei gut und er mit seinen zwei Mitarbeitern sei gut ausgelastet. Der Preis liegt momentan bei ca. 60.000,- DM mit Chevi/Borg Warner-Kombination. Rolling Chassis ab ca. 25.000,- DM. Neben seinem eigenen Produkt bietet Mike auch technischen Service für alle Cobrafabrikate an. Stolz präsentiert er uns das Fahrzeug eines Kunden mit über 450 PS. Stolze 406 cui besitzt das Monster bereits, aber es sollen nach Kundenwillen noch mehr werden, aus diesem Grund ist es auch nicht möglich, mit dem Fahrzeug eine Probefahrt zu unternehmen. Wegen Umbau geschlossen, sozusagen.
Was unterscheidet nun eine Magnum Cobra von allen anderen? Auf alle Details kann ich nicht eingehen, deshalb nur ein grober Umriß der Fakten.
Konzipiert ist das Fahrzeug eher für die Rennstrecke als für den Straßenverkehr, was die Bodenfreiheit von 4 Zoll im Vergleich zu normalen 8 Zoll erahnen läßt. Eine Auspuffanlage, die unter dem Fahrzeug verläuft, ist somit ausgeschlossen. Motor und Getriebe sitzen extrem weit hinten bzw. sind perfekt in der Mitte plaziert, was eine optimale Gewichtsverteilung /Straßenlage gewährleistet. Motoren von Sechs- bis Achtzylinder finden Platz in einer Magnum. Beliebt ist der 302 Ford- bzw. der 350 Chevy-Motor in Kombination mit Borg Warner- oder Jaguar- Getriebe. Wobei natürlich in diesem Bereich alles machbar ist, was der Geldbeutel hergibt.
Am Chassis soll es nicht scheitern, meint Mike. Der Body besteht aus einer Mischung aus Kohlefaser und Glasfaser. Differential von Ford Cosworth bzw. Jaguar je nach Leistung, wobei das Cosworth-Teil wegen des geringeren Gewichtes bevorzugt wird. Vorder- und Hinterradaufüängung sind Magnum Eigenkonstruktionen. Technische Daten hierzu würden den Rahmen sprengen. Überhaupt gäbe es noch einiges zu berichten. Wer in dieser Hinsicht mehr wissen möchte, kann sich gerne an mich wenden, da Mike mir die aktuellen technischen Unterlagen zur Weiterverbreitung für Interessierte mitgegeben hat. Was mich jedoch mit am meisten an diesem Fahrzeug fasziniert hat, ist die Kompromißlosigkeit. Es gibt zwar ein Verdeck und sogar ein Hardtop, aber dieses Auto sollte man meiner Meinung nach am besten nur mit einer kurzen Rennscheibe, wie zum Beispiel bei einem Jaguar C oder D Type, fahren. Üppige Innenausstaftung ist bei diesem Fahrzeug einfach fehl am Platz. Reduktion und pure Optik, anstelle von überladener Ausstattung, sind hier die Zauberworte. Wie gesagt, meine Meinung.
Nach einer guten Tasse Tee nehmen wir Abschied Richtung Biriningham mit der Erkenntnis, daß jemand, der in solch göttlicher Umgebung arbeiten darf, nur zu beneiden ist.
Zweiter Tag: Classic- und Sportscar-Show im National Exhibition Center nahe Birmingham. Als erstes gönne ich mir die Ferran Sonderschau, die durch wunderschöne Fahrzeuge besticht. Ansonsten viele ,,durchschnittliche" Oldtimer und natürlich auch einige Prachtstücke. Ich habe den Eindruck, daß alles etwas kleiner ist als letztes Jahr, und die Preise dafür etwas höher sind. Ach ja die Preise. Als deutscher Käufer hat man im Moment in England nicht viel zu lachen. Der Pfundkurs ist ähnlich dem Dollar im Moment wenig einladend. Viele Briten, mit denen ich gesprochen habe, sehen diese Probleme ähnlich und würden sich eine gesunde Regulierung nach unten wünschen.
Doch zurück zur Show. Der AC Owners Club-Stand war auch schon größer. Ein 97'er Fahrzeug wird präsentiert. Schön, aber nicht so atemberaubend wie die Magnum am Vortag. Ich stürze mich in den Zubehörbereich mit allem, was man als Sammler so braucht oder auch nicht. Am Ende der Show bin ich um einige Pfund leichter und um ein paar schöne Dinge reicher.
Dritter Tag: Kit Car Show in Stoneleigh. Wir übernachten direkt auf dem Gelände. Jugendherbergsniveau, aber eben mitten im Geschehen und den nächtlichen Partys. Es hat die Nacht durch geregnet, dementsprechend gering ist auch der Andrang von Besuchern und Fahrzeugen. Uns stört dies im Moment weniger, da wir dieses Jahr mehr zum Schauen als zum Kaufen gekommen sind. Der Teile- und Zubehörbereich ist gut bestückt und auch der Bereich für die Gebrauchtfahrzeuge ist größer als letztes Jahr. Doch auch hier zeigt sich der Trend zum höheren Preis. Mein erster Besuch beim britischen Cobraclub verläuft eher enttäuschend, da noch nicht sehr viele Fahrzeuge da sind. Dieser Zustand soll jedoch die gesamten Tage über andauern.
Wenige Fahrzeuge werden zum Kauf angeboten und auch die deutschen Händler scheinen weniger geworden zu sein, jedenfalls höre ich selten eine deutsche Stimme. Tja, die Goldgräberzeiten scheinen vorerst vorbei zu sein.
Die Herstellergelände sind wie immer gut besucht. Das Angebot reicht vom Supersportwagen Ultima bis hin zu Fahrzeugen, mit denen ich nicht mal bei schwärzester Nacht durch die Straßen meiner Heimatstadt fahren würde. Aber da die Briten eben aus allem einen Kit machen, was vier Räder hat, und es auch immer den entsprechenden Ownersclub gibt, scheinen solche Fahrzeuge doch eine Daseinsberechtigung zu besitzen. Das Gelände ist riesig und bietet diversen Clubs genügend Platz, um sich zu präsentieren. Dieses Jahr hat man die Möglichkeit, gegen Zahlung von 5 Pfund auf einem Dax Rush Seven einen Slalom gegen sich und das Gelächter der Zuschauer zu fahren.
Der vierte Tag verläuft ähnlich dem dritten. Schauen, zuhören und Kleinigkeiten kaufen. Diverse Besuche auf dem Cobrafeld enden immer mit dem Gefühl, daß dieses Jahr irgendwie keine Stimmung aufkommen will. Liegts am Wetter? Eine gigantische Party mit zwei genialen Bluesbrothers-Imitatoren krönt den Trip nach Stoneleigh.
Farit: Stoneleigh brachte mir dieses Jahr nur die Erkenntnis, daß im Moment auf dem britischen Fahrzeugmarkt nicht viel zu holen ist. Im Klartext heißt dies, daß bei der Kurssituation ein Fahrzeug einfach zu teuer kommt, wenn man von der Vorjahressituation ausgeht. Katalysator und die Sache mit dem TÜV und der KFZ-Steuer sollten einem schon zweimal überlegen lassen, ob sich der Aufwand rechnet oder man die heimische Händlerschaft zu Rate zieht. Ein Gutes hat die ganze Sache jedoch sicherlich, denn die Zeiten, in denen wirklich fast alles von deutschen Händlern (in Bezug auf Cobra) aufgekauft und teilweise zu astronomischen Preisen weiterverkauft wurde, scheinen sich auf ein vernünftiges Maß zu regulieren. Die Besitzer von der Insel sind ihrerseits sensibler geworden und so bleibt zu hoffen, daß am Ende nur noch zufriedene Gesichter übrigbleiben. In diesem Sinne: next year, same time, same place.
Dietmar Mettke