Naivität oder Erfahrung?
Auch aus der Tatsache heraus, daß es nach wie vor cobrabegeisterte Freunde gibt, die sich allein vom Äußerlichen dieses wahrlich (auch in meinen Augen) einzig wahren Sportwagens derart angezogen fühlen, daß der Wunsch entsteht, ein solches Fahrzeug zu fahren bzw. zu besitzen. Hiermit möchte ich an dieser Stelle jedoch auch einmal meine negativen Erfahrungen in Bezug auf die Anschaffung einer Cobra darstellen.
Im voraus möchte ich erwähnen, daß ich weder Kfz-technisch bewandert bin, noch daß ich mich in irgendeiner Form mit einem solchen Fahrzeug befaßt hätte.
Erst als ich ein Bild (ich weiß noch nicht einmal mehr wo) zu Gesicht bekam, stand für mich fest, irgendwann eine Cobra zu besitzen. Das zu diesem Zeitpunkt erhältliche ,,Kit-CarMagazin" förderte meinen Wunsch noch mehr. Die Erkenntnis: einen Bausatz zu erwerben, einen zeitaufwendigen Zusammenbau, eine mit Sicherheit stressige TÜV-Abnahme, Platzprobleme und die bereits erwähnte technische Unbefangenheit in diesen Belangen - all dies waren Gründe, die gegen ein Bausatzprojekt sprachen.
Darüber hinaus bin ich wahrscheinlich charakterlich so eingestellt, daß ich, wenn ich etwas erwerbe, es auch sofort nutzen möchte. Also ein fertiges Fahrzeug kaufen!
Ein weiterer Faktor (genaugenommen sogar zwei) spielte eine gravierende Rolle. Zum einen die Finanzen und zum anderen die noch nicht so begeisterte Ehefrau.
Anhand der erwähnten Literatur versuchte ich, mir ein Bild über das Preisgefüge von den angebotenen ,,fertigen" Cobras zu machen. Sehr schwer! Preise von bis, bei augenscheinlich gleichwertigen Fahrzeugen. Also blieb, so meinte ich, der Kontakt zu werbenden Händlern als Alternative.
So, und damit beginnen meine negativen Erfahrungen. Je größer eine Anzeige war, desto kleiner und hinterhöfischer stellte sich im nachhinein der Anbieter dar. Angefangen vom Einzelgaragenbesitzer bis hin zum Scheunen-Anmieter waren die ersten Gesprächspartner bei meinen Anrulbemühungen. Die vielleicht vermeintlich ,,seriösen" Hersteller, zumindest in der hiesigen Region (z.B. Fa. Saier) waren als Hersteller von Kit-Cars nicht in der Lage, gebrauchte Fahrzeuge anzubieten, sondern wollten gleich auftragsmäßig an den Aufbau einer neuen Version gehen. Wie gesagt, zu viel Geld und wenn schon, dann sofort.
Doch eines Tages war der Zeitpunkt gekommen, da erblickte ich hei einem solchen ,,Hersteller" ganz in meiner Nähe (Straubenhardt-Conweiler) eine gebrauchte Cobra. Ob der Preis, der verlangt wurde, gerechtfertigt war, sei dahingestellt. Ich war begeistert! Die Frage nach dem Gesamtzustand wurde mit ,,Optimal und TÜV Neu" beantwortet.
Die Frage, die ich mir noch stellte, nämlich, was kann dir sonst noch passieren, habe ich mir auch gleich selbst beantwortet: Gar nichts!
Der Insider wird jetzt schon lachen oder/und wissen, was danach kam.
Ich will's kurz machen. Viel Ärger, viel Frust und noch viel mehr zusätzliche Kosten. Fruchtlose Reklamationen beim Verkäufer. Keinerlei Hilfestellung und null Entgegenkommen.
Letztendlich abgehakt als negative Erfahrung, die ja auch positive Seiten haben soll. Nach einer in allen Beziehungen aufwendigen Winterpause, wobei der Begriff Pause sicherlich falsch ist, wurde ins Frühjahr mit einer fast fertigen Cobra gestartet. Erst nach einigen Ausfahrten stellte sich noch der eine oder andere Mangel ein. Wie bereits gesagt, beim Verkäufer war keine Hilfe zu erwarten.
Eintritt in die Cobra IG! Hoffnung auf Unterstützung der Cobra-Freunde. Den damahligen Clubvorsitzenden angesprochen, doch eine Vermittlerrolle zu übernehmen, wurde mit den Worten ,,hast doch selbst einen Mund" abgetan. Dann kam die Wende. Bei einem Cobra-Treffen traf ich den Herrn Philipps, der mir sehr freundlich und verständlich einige Tips zur Behebung des einen oder anderen Mangels gab.
Die Welt war wieder in Ordnung. Jedoch mußten ich und meine Frau feststellen, daß der clubinterne Zusammenhalt nicht sehr ausgeprägt ist (oder war). Weiterhin gab und gibt es den zweiten nicht unerheblichen Faktor in dieser Geschichte, nämlich meine Ehefrau. Da die fast zur Zufriedenheit laufende Cobra englischen Ursprungs war, das heißt rechts gesteuert, hatte ich doch enorme Schwierigkeiten, der mir angetrauten Beifahrerin in gewissen Situationen die Angst zu nehmen bzw. sie zu beruhigen. Letztendlich führte es zu der Überlegung, ein linksgesteuertes Fahrzeug anzuschaffen.
Beim Gedanken, das gleiche Spielchen in Bezug auf Kauf einer fertigen Cobra noch einmal zu bewältigen, ergab sich die Frage nach einer Umbaumöglichkeit auf Linkssteuerung. 18 Fragen, 24 Antworten von den Freunden der Cobra-Händler. Grundsätzlich nach den eriwanischen Richtlinien. Im Prinzip ja, aber... Alle konnten, keiner wollte. Folglich Kauf einer bereits linksgesteuerten Cobra? Überzeugungskampf mit meiner sehr lieben Frau. Nach langen Gefechten - Kampf gewonnen.
Dann ging die gleiche Prozedur los, die vom Ablauf her dem vorher beschriebenen ähnelt. Der Unterschied bestand lediglich darin, daß man mittlerweile mehrere sogenannte Händler kennt. Das Niveau meiner technischen Kenntnisse sowie mein Glauben an die Fairness von Geschäftspartnern ist leider gleich geblieben. Fazit war, daß ich zwar eine linksgesteuerte, ,,fertige" Cobra gekauft habe, allerdings wiederum mit relativ vielen versteckten Mängeln. Jedoch dieser Händler aus dem rheinischen Willich schien doch etwas entgegenkommender und fairer zu sein.
Er versicherte mir ausdrücklich, daß ihm die Zufriedenheit seiner Kunden nicht nur am Herzen liegt, sondern er alles dazu beiträgt, daß dem auch so ist. So habe ich ihm beispielsweise mitgeteilt, das der HolleyVergaser undicht sei, prompt bekam ich zur Antwort: ,,Besorgen Sie sich einen Neuen und schicken mir die Rechnung, und dann überweise ich Ihnen diesen Betrag". Toll!!! Darüber hinaus noch einmal die Bestätigung, er legt Wert darauf, daß alles funktioniert (?) und Zufriedenheit herrscht.
Das wir Anfang April 1997. Der neue Vergaser tut ordentlich seine Dienste in meiner Cobra, andere "Kleinigkeiten" die sonst noch waren habe ich hier vor Ort durch eine Fachwerkstatt beheben lassen. Seitdem läuft auch meine Cobra etwas mehr als zufriedenstellend. Ach so nachdem ich nun diesem vorgenannten Händler die Rechnung geschickt habe, hat er seine Meinung über zufriedene Kunden anscheinend drastisch geändert, denn bis zum heutigen Tage habe ich weder etwas von ihm gehört, noch habe ich den Betrag erstattet bekommen. Wir schreiben heute den 21.07.1997.
Mittlerweile habe ich mir die gesamte Entwicklung vor Augen gehalten und mich gefragt, wieviel Fehler ein Mensch machen darf, um von seiner Umwelt als dumm eingestuft zu werden!? Was soll's. Stünde ich heute nach drei bzw. fast vier Jahren als Cobra-Fahrer noch mal vor der Situation, ein solches Fahrzeug zu kaufen, so würde ich es wieder tun. Jedoch unter anderen Voraussetzungen. Mittlerweile, so glaube ich, habe ich mir die wesentlichen Kenntnisse über den Fahrzeughau angeeignet, um ein gewisses Urteil für eine Entscheidungsfindung abgeben zu können.
Vielleicht habe ich auch nur die falschen Leute angesprochen. Ich jedenfalls biete jedem, wenn auch nur bescheidene Kenntnisse und Erfahrungen als Hilfestellung an. Darüber hinaus werde ich auch jedem Interessierten Namen von Händlern nennen, die mir durch falsche Versprechungen und nicht eingelöste Zusagen besonders negativ aufgefallen sind. Wobei ich aber auch erwahnen muß daß es auch die beruhmten Ausnahmen gibt In diesem Zusammenhang mochte ich Eberhard Handloser und Martin Drengenberg erwahnen Sie gaben sehr ausfuhrlich und meiner Meinung nach auch sehr gerne Auskunft auf etliche Fragen von meiner Seite Ansonsten zahle ich mich trotz allem zu den begeisterten Fahrern eitler Cobra mit dein Wunsch, daß jeweils der Wettergott und auch der Gott der Maschinerie die Hand über uns hält.
Bernd Weik-Gogulski