CARROLL SHELBY

Rennfahrer aus Leidenschaft


Im Herbst 1961 wandte sich ein gewisser Mister Shelby an die Firma A.C. in Thames Ditton mit dem Angebot, knftig die 2 Liter-Version ihres ACE-Sportwagens in vollem Trimm und in einer Chassis-Karosserie-Kombination ohne Motor und Getriebe in die USA zu importieren, um sie dort mit amerikanischen Ford Motoren auszursten. Wie diese Geschichte weiter ging, wissen wir inzwischen sehr genau. Die ersten 75 ACE, die in Amerika landeten, wurden mit 260 cui Motoren ausgerstet bevor dei 289er ( 4,2 Liter Hubraum) Ford Aggregate als Basis fr die neuen und und nun auf den Namen COBRA getauften Roadster zu Einsatz kamen.

Carroll Shelby hatte nur relativ wenig Zeit bentigt, um sich als erfolgreichen und kompetenten Rennfahrer in den USA und Europa zu etablieren. Wie viele seiner nordamerikanischen Rennfahrerkollegen ging auch er zunchst auf europischen Fahrzeugen an den Start. Ein ausgeborgter TC MG war 1952 sein erster Untersatz, doch schon bald stieg er auf mehr Power um, die ihm 1953 ein Cadillac-befeuerter Allard garantierte. Und in diesem Jahr schaffte er schnell den Durchbruch, denn mit jenem Allard endete jede (!) Rennteilnahme mit einem berragendem Sieg - eine Saison mit hundertprozentigem Erfolg.

Die Saison der sdamerikanischen Winter-Meisterschaft fr Sportwagen begann 1954 im Januar mit dem 1000 Kilometer Renne in Buenos Aires. In einem Starterfeld voll mit Ferraris, Werks-Aston Martins, Porsches und den pfeilschnellen Jaguar D-Types der Ecurie Ecosse belegte Shelby in dem privat eingesetzten, technisch unterlegenen Cadillac Allard den hervorragenden zehnten Platz. John Wyer, Team-Manager von Aston Martin, war von dieser Vorstellung sehr beeindruckt und schlug dem Amerikaner vor, nach England zu kommen. Shelby jedoch, obwohl zu jenem Zeitpunkt ohne Geld in der Tasche, war von der Idee nicht sonderlich begeistert, lehnte das Angebot ab und fuhr hiernach lediglich das Sebring Rennen in Florida im Werks-Team von Aston Martin.

Den Sprung nach Europa machte er dann aber doch 1954, wenn auch nur als Begleitung und Ratgeber eines wohlhabenden Texaners, der einen Aston Martin kaufen wollte. John Wyer, der Shelby's Leidenschaft nur zu gut kannte, griff nun in die Trickkiste und ermglichte whrend des Aufenthalts sofort einen Renneinsatz auf dem Liverpooler "Aintree"-Kurs, und Shelby, letztendlich doch ins Aston Martin Cockpit gehievt, bekam mit seinem zweiten Platz hinter einem Werks-Jaguar bei diesem Rennen sogar eine Fahrkarte frs 24 Stunden rennen von Le Mans im Aston Martin Team. Das Le Mans Auto wurde blau-wei lackiert und Shelby teilte sich das Cockpit mit dem belgischen Journalisten und Autotester Paul Frre.

1955 war Shelby's Ferrari Jahr. Wieder in Europa, fuhr der Amerikaner nun einen 4,4 Liter Wagen aus Maranello, doch die Saison verlief nicht sonderlich erfolgreich. Nach Amerika zurckgekehrt erfuhr seine Geschichte 1956 schlielich eine entscheidende Wendung. Die Firma "Carroll Shelby Sports Cars" ffnete in Dallas / Texas ihre Pforten und die Zeitschrift "Sports Illustrated" krte Shelby mit dem Titel "Fahrer des Jahres". Die Erfahrungen in dem Geschft und zustzlich das Rennsport Know How lieen in Shelby den Entschluss reifen, einen Sportwagen fr den Renneinsatz zu konzipieren, der in der Lage sein sollte, einen Ferrari zu schlagen, aber nur ein Drittel dessen Anschaffungspreises kosten sollte. Aber die amerikanische "Renngemeinde" war zu diesem Zeitpunkt fr solch eine Idee nicht zu begeistern, ganz abgesehen davon, dass damals der Privateinsatz eines Ferrari im Rennsport noch immer als anerkanntes Status-Symbol galt, von dem die Betroffenen sich nur schwerlich trennen wollten. Die allgemeine Ablehnung seiner Idee machte ihm nicht sonderlich zu schaffen, er klemmte sich weiterhin hinter Aston Martin Lenkrder oder fuhr Ferraris, von denen er inzwischen einige privat besa, und erzielte damit internationale Erfolge.

1957 gewann er auf Ferrari die prestigetrchtige amerikanische SCCA-Natinal Championship und 1958 war er wieder auf einem Aston Martin unterwegs - immer ein Faktor, wenn es um die Verteilung der Siegerpltze ging. Seine Beitrge zu den Werkserfolgen von Aston Martin wurden ihm von Manager John Wyer immer hoch angerechnet, und so erhielt er auch 1959 wieder einen Platz im Le Mans Team, wofr er sich postwendend mit einem Sieg bedankte, den er gemeinsam mit seinem Teamkollegen Roy Salvatori auf dem Aston Martin-DBR 1 nach Hause fuhr.

Es fiel ihm immer schwerer, die Angebote von John Wyer abzulehnen, und bevor er sich versah, war er auch schon in die glorreiche Grand Prix Szene involviert, die Aston Martin mit einem Einsitzer bestritt. Shelby fuhr daraufhin nicht nur den DBR 4 Aston GP, sondern bald auch schon den Maserati 250F der Scuderia Centro Sud und den speziellen 250F Leightweight von Temple Buell. 1960, in dem Jahr in dem Carroll sich vom aktiven Rennsport zurckzog, gewann Aston Martin die Konstrukteurs-Weltmeisterschaft fr Sportwagen - ein Erfolg, an dem Lwenherz Shelby einen betrchtlichen Anteil hatte.

Schon von den ersten Tagen an, als er im geliehenen TC MG bei amerikanischen Clubrennen an den Start ging, begann Shelby sich zu dem zu entwickeln, was wir heute eine lebende Motorsport-Legende zu nennen pflegen. Allerdings war bis zu jenen Tagen 1960/61 erst die Hlfte jener Legende geschrieben, es sollte noch einiges erzhlenswertes folgen.

Die Gedanken an seinen Traum-Rennsportwagen lieen ihn nie ganz los. Das Konzept stand fest: ein leichtes aber strapazierfhiges Chassis, zuverlssige, amerikanische V-8 Power, ein gutes Handling und ein bezahlbarer Preis. Letztendlich verdanken wir es allein diesem Traum, dass die Namen A.C., Ford und Shelby heutzutage in einem Atemzug unter dem Pseudonym "COBRA" genannt werden..............


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aus COBRA Spezial 1962 - 1992 Sonderheft aus dem HCM - Verlag

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